Opel-Chef Lohscheller stolz auf Halbjahresgewinn: “Wir haben...

Sieht den Automobilbauer auf der richtigen Spur: Opel-Chel Michael Lohscheller. Archivfoto: André Hirtz

Opel-Chef Michael Lohscheller, sonst eher sachlich nüchtern, ist stolz auf den satten Halbjahresgewinn. Der Zukunftsplan mit dem Namen „Pace“ (englisch für Tempo) sei bei...

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RÜSSELSHEIM. Opel-Chef Michael Lohscheller sieht in dem satten Halbjahresgewinn des Autobauers nicht nur ein Strohfeuer, sondern eine nachhaltige Kehrtwende. „Wir haben die Ertragswende geschafft. Das hat es bei Opel seit sehr langer Zeit nicht gegeben“, sagte Lohscheller im Gespräch mit dieser Zeitung. Die Rüsselsheimer Tochter des französischen PSA-Konzerns verbuchte im ersten Halbjahr ein operatives Ergebnis von rund einer halben Milliarde Euro.

Der Sanierungs- und Zukunftsplan mit dem Namen „Pace“ (englisch für Tempo) sei bei Opel das erste Sanierungsprogramm seit 20 Jahren, das erfolgreich funktioniere. „Wir haben in den vergangenen zwölf Monaten mehr erreicht als in den fünf Jahren zuvor“, sagte Lohscheller. Neben der weiteren Reduzierung der Kosten will der Opel-Chef den rückläufigen Marktanteil wieder ausbauen. „Mir ist wichtig, dass wir mit unserer Produktoffensive auch bei Volumen und Marktanteil noch besser werden.“

Szenarien, wonach Opel zur Design-Hülle von PSA verkommt, empfindet er als „an den Haaren herbeigezogen“. Man habe mit Crossland X und Grandland X gezeigt, „dass wir hervorragende Autos bauen können, die echte Opel sind“. Lohscheller macht das zum Beispiel am Design, an der „Anmutung des Innenraums“, der Lichttechnik, den Sitzen oder an Schaltbarkeit und Fahrwerksabstimmung fest.

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Auf dem Weg zu einem „sehr effizienten Unternehmen“

Die Kehrtwende bei Opel sorgt allenthalben für Staunen. Aus einem operativen Minus von knapp 180 Millionen Euro, das Ende 2017 zu Buche stand, ist innerhalb von sechs Monaten ein operativer Gewinn – aus dem laufenden Geschäft heraus ohne die übrigen Kosten – von einer halben Milliarde Euro geworden. Wie in aller Welt hat man das geschafft?

Opel-Chef Michael Lohscheller, sonst eher zurückhaltend und sachlich, lässt im Gespräch mit dieser Zeitung Stolz, Selbstbewusstsein und auch Genugtuung durchblicken. Der Zukunftsplan mit dem Namen „Pace“ (englisch für Tempo) sei bei Opel das erste Sanierungsprogramm seit 20 Jahren, das erfolgreich funktioniere. „Wir haben in den vergangenen zwölf Monaten mehr erreicht als in den fünf Jahren zuvor. Wir haben große Schritte auf dem Weg gemacht, ein sehr effizientes Unternehmen zu werden“, so Lohscheller“.

Für ihn gibt es einen klaren Indikator, dass Opel die Ertragswende geschafft hat. Der Cashflow, also die flüssigen beziehungsweise frei verfügbaren Mittel, „lag im ersten Halbjahr bei mehr als einer Milliarde Euro“. Wie es hier früher aussah, will er nicht sagen. Nach Informationen dieser Zeitung gab es zur Übernahme durch PSA im Grunde genommen keine flüssigen Mittel, denn die Kennzahl fiel negativ aus.

Nach Darstellung von Lohscheller ist die Ertragswende möglich geworden, weil die Manager von Opel und PSA das Unternehmen quasi auf den Kopf stellen und jeden Winkel nach Möglichkeiten zur Kostenreduzierung und Erlössteigerung durchsuchen. Beispiel variable Kosten, die bei der Autoproduktion entstehen. Bis 2020 will man diese um netto 700 Euro pro Fahrzeug senken. „Wir sind hier schon ein gutes Stück vorangekommen“, erklärt der 49-Jährige. 700 Euro seien ein „sehr hoher Betrag, auch weil wir ja immer wieder Neuerungen in die Modelle einbauen müssen, um die zunehmenden gesetzlichen Vorgaben zu erfüllen“. Vorgaben, die ein Auto eigentlich teurer machten.

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Weniger Komplexität bei den Fahrzeugen

Ein wichtiger Baustein sei die Reduzierung der Komplexität in den Fahrzeugen. Also zum Beispiel weniger Teile und weniger Varianten dieser Teile. Lohscheller erzählt hier gerne die Geschichte von den 27 verschiedenen Lenkrädern, die in früheren Zeiten in einem Modell verbaut wurden. „Dafür gab es seinerzeit sicherlich gute Gründe, aber wir haben solche Überspezifizierungen gestrichen.“ Die Nachfrage sei einfach zu gering.

Die fixen Kosten hat das Unternehmen nach eigener Darstellung im ersten Halbjahr um satte 28 Prozent gesenkt. „Und zwar über alle Bereiche hinweg.“ Personalkosten sind hier ein großer Block. Auch das Top-Management wurde nicht geschont – und um ein Viertel ausgedünnt. „Ich habe immer gesagt, dass die Treppe von oben gekehrt wird. Und ich habe auch hier mein Wort gehalten“, so der studierte Diplom-Kaufmann. Aber der scharfe Schnitt hat nach Darstellung des Opel-Chefs auch praktische Gründe. „Ein schlankes Top-Management ist eine Voraussetzung, um Abläufe einfacher, transparenter und schneller zu machen.“ Für Deutschland haben sich Arbeitnehmervertreter und Geschäftsführung insgesamt auf eine Reduzierung von rund 20 Prozent der Stellen geeinigt.

Neuigkeiten für die Mitarbeiter des Entwicklungszentrums hat er nicht. Dort ist die Angst groß, dass ein großer, mehr als die Hälfte der 7000 Mitarbeiter betreffender, Teil der Ideenschmiede an einen Dienstleister verkauft wird. „Das Entwicklungszentrum ist und bleibt das starke Herz von Opel“, sagt Lohscheller fast schon gebetsmühlenartig. Daran wird man ihn in Zukunft messen.