Seit einer Woche an der Börse: Wie schlägt sich Biontech?

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Die Adresse von Biontech in Mainz soll Programm sein – sowohl für Patienten als auch für Aktionäre. Foto: Harald Kaster

Biontech, der Mainzer Hoffnungsträger im Kampf gegen den Krebs, ist seit einer Woche an der New Yorker Börse Nasdaq. Nach fulminantem Start hat das Unternehmen zu kämpfen.

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MAINZ/NEW YORK. Es kommt nicht alle Tage vor, dass ein Unternehmen aus Deutschland sein Glück an der New Yorker Hightech-Börse Nasdaq versucht. Und schon gar nicht aus dem Zukunftsfeld Biotechnologie. Vor einer Woche fiel für Biontech, einen Hoffnungsträger im Kampf gegen den Krebs, der Startschuss. Die Börsen- und Biotechwelt schaute nach New York: Wie wird sich die Mainzer Biontech SE schlagen, die sich auf die Krebsbehandlung mit auf jeden einzelnen Patienten zugeschnittenen Immuntherapien spezialisiert hat? Zumal das Börsenumfeld wegen des Handelsstreits USA-China und des Brexits unsicher ist, was Investoren gar nicht mögen.

So sah sich Biontech wegen der schwierigen Bedingungen und einer möglicherweise verhalteneren Nachfrage dazu gezwungen, den Ausgabepreis für zehn Millionen Stammaktien auf 15 bis 16 US-Dollar zu senken. Das Unternehmen wurde die Aktien schließlich zu 15 Dollar los und nahm so mit 150 Millionen Euro deutlich weniger ein als geplant. In Expertenbeiträgen auf einschlägigen Portalen wird der Börsengang angesichts des schwierigen Umfelds insbesondere für Biotechnologie-Werte zwar durchaus als erfolgreich gewertet. So komme seit Monaten der Nasdaq-Biotech-Index nicht richtig vom Fleck, heißt es etwa bei „Der Aktionär“. Doch unterm Strich fiel das Debüt durchwachsen aus.

Zwei Dollar unter dem Ausgabekurs

Unmittelbar nach dem Start an der Nasdaq am Donnerstag vergangener Woche schoss das Papier von 15 US-Dollar auf bis zu 16,70 Dollar in die Höhe. „Biontech mit starkem Börsendebüt“, titelte die Nachrichtenagentur Reuters kurz nach dem Auftakt. Doch wenige Stunden später fiel die Aktie auf rund 13 Dollar zurück, um dann wieder mit 15 Dollar zu schließen. In den Folgetagen ging es für die Aktie wieder bergab, um sich schließlich bei einem Wert um die 13 Dollar zu stabilisieren. Das liegt gut 13 Prozent unter dem Ausgabepreis.

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Doch Börsianer sehen das relativ entspannt. Für sie ist das mittel- und langfristige Kurspotenzial entscheidend. Bei Biontech seien sich die Anleger in diesem Punkt jedoch offensichtlich noch nicht einig, heißt es bei Sharedeals.de, dem nach eigenen Angaben führenden Aktienblog für kleinere Börsenunternehmen, mit Verweis auf das Auf und Ab am ersten Handelstag.

Bei Biontech spielen, vielleicht noch stärker als bei anderen Titeln, Emotionen in den Kurs hinein. Denn das Unternehmen hat noch kein Produkt auf dem Markt, schreibt Verluste und kann nur mit dem Potenzial, das in ihm steckt, punkten. Entsprechend hängt die weitere Entwicklung des Kurses von den Forschungsfortschritten ab. Das Potenzial sei mit Blick auf die revolutionäre Art der Krebsbekämpfung natürlich hervorragend, heißt es bei Sharedeals.de. Aber das schütze nicht vor Rückschlägen.

„Euro am Sonntag“ verweist indes auf die viele Millionen Euro schweren Partnerschaften mit Großkonzernen wie Sanofi, Pfizer, Eli Lilly, oder Bayer. Das unterstreiche sowohl die Anziehungskraft der Technologie als auch die Forschungsqualität. „Vor allem das potenzielle Spektrum an Anwendungen und Möglichkeiten“ habe das Interesse an Biontech geweckt, wird eine Portfoliomanagerin zitiert. Doch dies alles könne nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich die Biontech-Technologie noch in einem frühen Stadium der Entwicklung befinde, heißt es weiter. Unterm Strich wird die Aktie zurzeit meist als hoch spekulativ bewertet.

Für Timo Kürschner, Analyst bei der Landesbank Baden-Württemberg, ist es indes wichtig, dass Biontech den „Eisbrecher“ spiele und endlich wieder ein deutsches Unternehmen der Biotechnologie (in den USA) den Schritt an die Börse gewagt habe. Für Biotech-Unternehmen sei es in Deutschland schwierig, entsprechend risikofreudige Investoren zu finden, vor allem im Vergleich zu den USA.