Beim IHK-Sommerfest in Darmstadt steht Frankreich im Mittelpunkt

Dr. Nicole Baumüller und Matthias Bormuth von der gleichnamigen Bäckereikette diskutieren mit Heag-Vorstand Dr. Markus Hoschek (von links).

Beim Sommerfest der Industrie- und Handelskammer (IHK) Darmstadt Rhein Main Neckar am Freitagabend, das rund 600 Gäste auf das Gelände der IHK in der Rheinstraße lockte, war...

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FRANKFURT/BERLIN. "Ich wünsche mir ein Europa, das den digitalen Wandel erfolgreich meistert. Warum schaffen wir nicht gemeinsam eine europäische Innovationsagentur, ein gemeinsames Programm für künstliche Intelligenz, das Europa zum internationalen Wachstumsmotor machen würde?" Mit diesen Worten machte der französische Staatspräsident Emmanuel Macron vor fast genau einem Jahr einen wegweisenden Vorschlag. Die französische Regierung hat offenbar erkannt, welche Chancen sich hinter den Schlagworten Digitalisierung und Innovation verbergen.

"Das sind auch die Wachstumsmotoren für unsere Region", sagte Prof. Dr. Kristina Sinemus, Präsidentin der Industrie- und Handelskammer (IHK) Darmstadt Rhein Main Neckar in ihrer Eröffnungsrede beim Sommerfest am Freitagabend. Gastland der Veranstaltung, die rund 600 Gäste auf das Gelände der IHK in der Rheinstraße lockte, war diesmal Frankreich. Schon die Einladungen standen im Zeichen der Tricolore, Lavendelsträußchen auf den Tischen, ein mannshoher Eiffelturm auf dem Rasen und ein Separée mit schwarz-roten Federpuscheln à la Moulin Rouge machten das Bild komplett. Zwar wurden auch französischer Rosé und Rotwein ausgeschenkt, doch auch der IHK-Wein, ein Grauburgunder/Chardonnay von der Bergstraße, kam bei den Besuchern gut an.

Sicher könnte man auch im Weinbau mal über den Tellerrand nach Frankreich schauen, doch zunächst ging es um das Nachbarland und seine Ambitionen, sich als europäischer Vorreiter in Digitalisierung positionieren zu wollen. Aber auch die Region sei hier gut aufgestellt. "Stellvertretend würde ich gerne zwei Punkte herausstellen", so Sinemus. Zum einen nannte sie das länderübergreifende Strategieforum Frankfurt Rhein Main, bei dem Hessen, Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Bayern gemeinsam Themen wie Mobilität und Innovation voranbringen wollen. Zum Zweiten erwähnte sie mit der Eröffnung des Gründerzentrums Hub 31 unter der Regie von IHK und Stadt einen Meilenstein aus dem vergangenen Jahr. "Hier gibt es Labore, Maschinenräume und mit der offenen Werkstatt, betrieben vom Verein Makerspace, haben wir sogar eine Bürgerpartizipation", so die Präsidentin.

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Hier gebe es durchaus Parallelen zum Gastland Frankreich, "hier boomt die Start-up-Szene, und Paris hat sich zu einem zentralen Hub entwickelt". Gerade für Frauen bringe die Digitalisierung neue Chancen. So seien im vergangenen Jahr 30 Prozent der Einzelunternehmen im IHK-Bezirk von Frauen gegründet worden, und nach einer bundesweiten Studie gebe es bei 28 Prozent der Start-ups weibliche Mitgründer. Damit leitete Sinemus zur Talkrunde mit der französischen Generalkonsulin Pascale Trimbach und der Babenhäuser Architektin Sonja Schlösser über. Hier stand ein Thema im Mittelpunkt, bei dem sich Deutschland etwas von Frankreich abschauen kann. Frankreich sei in Deutschland mit einer Botschafterin vertreten, mit Christine Lagarde als Chefin des Europäischen Währungsfonds gebe es eine weitere Französin in prominenter Position. Sind die Voraussetzungen für Frauen in Führungspositionen in Frankreich besser?

Hier waren sich die Generalkonsulin und die Architektin, die 2010 ein Büro in Paris eröffnete, einig. "Es gibt tatsächlich bessere Bedingungen, zum Beispiel viele Krippen und Kitas. Später verbringen die Kinder den ganzen Tag in der Schule", sagte Trimbach. Im Nachbarland müssten sich Frauen nicht für Familie oder Beruf entscheiden. Immerhin: Deutschland sei auf dem richtigen Weg.

Von Anja Ingelmann