Das Geschäft mit Schönheitsoperationen boomt

Brustvergrößerung, Fettabsaugen oder Facelifting sind längst keine Tabuthemen mehr. Der Markt mit Schönheitschirurgie boomt und auch in Südhessen gibt es Gewinner.

Anzeige

DARMSTADT. Kurz vor 17 Uhr, gleich ist das Kinderturnen zu Ende. Drei Mütter warten, um die Kleinen abzuholen - und unterhalten sich nebenbei, ob sie sich nicht demnächst unters Messer legen wollen. Damit die Brust wieder so aussieht wie damals, als die Kinder noch nicht auf der Welt waren. Vor zehn Jahren waren solche Szenen selten. Wenn man sich für den Weg der plastischen Chirurgie entschieden hatte, behielt man es für sich und weihte höchstens die Familie ein. Heute wird das Thema Schönheitschirurgie längst nicht mehr so stark tabuisiert. Das merken auch die Schönheitskliniken. "In den Köpfen hat ein regelrechter Wandel stattgefunden. Viele unserer Patienten gehen vor allem innerhalb ihres Freundeskreises sehr offen mit dem Thema um", heißt es etwa von der Rosenpark Klinik für ästhetisch-operative Dermatologie und plastische Chirurgie in Darmstadt.

Rund 10 000 Patienten werden jährlich behandelt

Diese Offenheit ist gut fürs Geschäft. Weltweit ist die Schönheitschirurgie ein Milliardenmarkt, der am Wachsen ist. Die Internationale Gesellschaft für plastische Chirurgie zählte für 2016 insgesamt 23,6 Millionen Eingriffe, das sind zehn Prozent mehr als im Jahr zuvor (2015: 21,7 Millionen, 2014: 20,2 Millionen). Die meisten gab es in den USA (4,2 Millionen), Brasilien (2,5), Japan (1,1) und Italien (1). Deutschland liegt mit 730 437 Eingriffen auf Platz neun der Statistik.

Anzeige

Auch in der Rosenpark Klinik steigt die Zahl der Operationen kontinuierlich. "Wir führen pro Jahr 2000 Behandlungen im Bereich der Körperformung durch, hierzu zählen Fettabsaugung, brustchirurgische Eingriffe, Bauchdeckenstraffungen, Körperlifting und Intimchirurgie. Bei der Gesichtsverjüngung liegen wir bei 8000", sagt Sprecherin Franziska Niedermeier. Vor 20 Jahren begann die Klinik noch mit fünf Mitarbeitern, nach zehn Jahren waren es 50 und zurzeit sind es rund 80.

Mit zwölf festangestellten Ärzten werden heute jährlich rund 10 000 Patienten behandelt, die meisten davon Frauen. Die durchschnittliche Patientin sei "selbstbestimmt und wünscht ein natürliches Ergebnis". Die meisten wollten die Zeit ein wenig zurückdrehen oder eine Problemzone behandeln lassen, die schon lange stört. Das könne eine fehlangelegte Brust sein, ein Muttermal im Gesicht, eine Zornesfalte oder Reiterhosen, so Niedermeier.

Das ist den Kunden einiges wert: Eine Fettabsaugung koste je nach Zone zwischen 5300 und 7700 Euro, eine Brustvergrößerung mit Implantaten etwa 6500 Euro, eine Bruststraffung 7300 Euro und das Oberlidlifting 2350 Euro. Das Internetportal Schönheitsklinik.info hat in einer Auswertung von 25 000 Nutzern und einer Befragung von Chirurgen die beliebtesten Eingriffe zusammengestellt. Bei den Frauen rangiert hier die Brustvergrößerung auf Platz eins, gefolgt von Fettabsaugung, Augenlidstraffung, Bruststraffung und Nasenkorrektur.

Rund 20 Prozent der Patienten seien mittlerweile Männer. Sie interessierten sich vor allem für Fettabsaugung, Augenlid- oder Bauchdeckenstraffung. Die anhaltend hohe Nachfrage nach Brustimplantaten spielt auch der Polytech Health & Aesthetics GmbH in Dieburg, Deutschlands einzigem Hersteller von Silikonimplantaten, in die Karten. Mit 230 Beschäftigten hat das Unternehmen 2017 einen Umsatz von 36 Millionen Euro erwirtschaftet. Erst vor wenigen Wochen gab Polytech die Übernahme des bisherigen Partners G&G Biotechnology Ltd. bekannt, ein Start-up aus Israel, das eine neue Technologie für bis zu 30 Prozent leichtere Implantate entwickelt hat. Für das laufende Jahr erwartet Polytech 42 bis 45 Millionen Umsatz.

Dr. Klaus Niermann in der Fontana Klinik Mainz (knapp 20 Mitarbeiter) hat auf dem Internetportal Schönheitsklinik.info einige gute Bewertungen gesammelt. Er hat sich auf plastische Chirurgie im Gesicht spezialisiert, bietet aber auch Leistungen wie Brust-OPs, Fettabsaugen oder Haartransplantationen an. "Auch wir sehen, dass die Nachfrage insgesamt zunimmt", sagt Niermann.

Anzeige

Ein Trend sei zurzeit der Bereich der Intimchirurgie mit Schamlippenkorrektur oder der Rekonstruktion des Hymens. Letzteres werde häufig von muslimischen Frauen gewünscht. Ebenfalls im Trend sei Genitalbleaching (Aufhellung), was die Klinik ebenfalls anbietet. "Oft haben wir auch das klassische Mami-Make-Over mit Bruststraffung und Fettabsaugen", so Niermann. Für den Fall, dass die Brust und der Körper nach zwei, drei Kindern nicht mehr das sind, was sie mal waren.

Von Anja Ingelmann