Mainz: DB Cargo will Talfahrt stoppen und 2020 wieder wachsen

DB Cargo. Symbolfoto: dpa

Seit zehn Jahren geht es bei DB Cargo abwärts. Der neue Vorstandschef Roland Bosch soll nun bewerkstelligen, woran seine Vorgänger gescheitert sind. „Ab 2020 wollen wir...

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FRANKFURT/MAINZ. Seit zehn Jahren geht es bei DB Cargo abwärts. Auch das erste Halbjahr bringt keine Besserung. Umsatz, beförderte Güter, Verkehrsleistung - bei fast allen zentralen Kenngrößen zeigt der Trend erneut nach unten. Das gilt insbesondere für den Kernmarkt Deutschland. Die Verluste, die DB Cargo einfährt, sind deutlich größer geworden. Die Bahn bezeichnet im Halbjahresbericht die wirtschaftliche Entwicklung ihrer Tochter als schwach. Der Marktanteil ist in nur wenigen Jahren von rund 75 auf zuletzt 56 Prozent gesunken.

Entsprechend schlecht sei die Stimmung in der Belegschaft, heißt es in Unternehmenskreisen. Dabei sind die Rahmenbedingungen fürs Geschäft derzeit gut: Die Wirtschaft brummt, die große Koalition will mehr Güter auf die Schiene bekommen und die Trassenpreise, also quasi die Gebühr für die Nutzung der Schienen, sollen ab dem zweiten Halbjahr gesenkt werden. „Aber wir kriegen es einfach nicht hin“, heißt es im Unternehmen, dessen Europazentrale in Frankfurt und Deutschlandzentrale in Mainz stehen.

"Ab 2020 wollen wir wieder auf Wachstumskurs sein“

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Der neue Vorstandschef Roland Bosch soll nun bewerkstelligen, woran seine Vorgänger Jürgen Wilder und Alexander Hedderich scheiterten. Zur Bestandsaufnahme und Lösungssuche sucht der Vorstand nach Informationen dieser Zeitung das Gespräch mit der Belegschaft und reist dazu verschiedene Standorte an.

Bosch hat bereits einen Fahrplan erarbeitet, wie er DB Cargo wieder flott machen will. Demnach müssen sich die Mitarbeiter noch ein wenig gedulden. „Eine Frage, die uns oft gestellt wird, lautet: Wann endlich kommt DB Cargo wieder auf die Beine? Die Antwort ist: Ab 2020 wollen wir wieder auf Wachstumskurs sein“, schreibt Bosch in der Mitarbeiterzeitschrift Inside, die dieser Zeitung vorliegt. In diesem Jahr konzentriere man sich darauf, „unser Geschäft weiter zu stabilisieren“.

Man arbeite „unter höchster Anstrengung daran, unsere Qualität in Deutschland weiter zu verbessern“ und „die Zahl stehender Züge auf ein Minimum zu reduzieren“, heißt es in dem Beitrag. Auch bei der Produktivität müsse man den negativen Trend „dringend abstellen“.

„Personal einstellen, qualifizieren und begeistern“

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Als einen Kernpunkt des „Arbeitsplans 2018“ nennt Bosch „Personal einstellen, qualifizieren, binden und begeistern“. Die Bahn-Tochter ist im so genannten operativen Bereich Firmenkreisen zufolge unterbesetzt und sucht händeringend Lokführer, Rangierer oder Wagenmeister zur Wagenkontrolle. Doch die Rekrutierung falle schwer, weil das Angebot sehr knapp sei und auch die Konkurrenten von DB Cargo um neue Mitarbeiter werben würden, sagt ein Branchenkenner. Älter als 50 Jahre, Studienabbrecher, ehemalige Soldaten oder Quereinsteiger – bei der Gewinnung neuer Mitarbeiter setzt der Bahn-Konzern laut Halbjahresbericht „verstärkt auf neue Zielgruppen“.

Der Personalmangel sei zu spät angegangen worden, heißt es in Bahn-Kreisen. Noch Boschs Vorgänger Wilder wollte ursprünglich rund 2000 Arbeitsplätze abbauen. Daraus ist dann ein geplanter Personalaufbau von 2000 Stellen geworden. Doch bis vor allem die neuen Lokführer voll eingesetzt werden können, gehen noch Jahre ins Land. Denn sie müssten zunächst intensiv ausgebildet und fit für den täglichen Verkehr gemacht werden, erläutert ein Insider.

Der Personalmangel bremst das Unternehmen auf dem Weg zu mehr Produktivität und Qualität. Um diese zu steigern, müsse man besser planen, heißt es. „Aber das geht nur sehr schwer, weil wir zu wenige Lokführer haben“. Folgen sind Züge, die zu oft und zu lange stehen und Lokführer, die ungewollt einen Großteil ihrer Zeit nicht fahren. Weil sie noch viele andere Aufgaben zu erfüllen hätten oder an einem Zielort nicht gleich wieder eingesetzt werden könnten, weil es an der Planung hapere. Ein Teufelskreis.