Opel zieht sich aus Altwerk in Rüsselsheim zurück

Mit Opel verlässt einer der größten Mieter das Altwerk. Foto: Torsten Boor

500 Mitarbeiter wechseln aus dem Altwerk in Büros auf dem Werksgelände.

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RÜSSELSHEIM. Hausherrin ist die Firma Opel dort, wo ihr Gründer Adam seine erste Fabrik baute, schon lange nicht mehr. Bislang arbeiteten im Altwerk aber zumindest noch viele Beschäftigte des Autobauers, denn Opel hatte nach dem Verkauf von Grundstück und Gebäuden an die Investorengruppe HKS im Jahr 2006 Büroflächen zurückgemietet. Ein bisschen Opel war so noch immer auf dem ehemaligen Firmenareal zu finden. Jetzt aber endet auch diese Periode. Opel zieht sich gänzlich aus dem Altwerk und damit auch aus der Rüsselsheimer Innenstadt zurück. Wie das Unternehmen bestätigt, sind 500 Beschäftigte aus verschiedenen Abteilungen von dort auf das Opel-Werksgelände umgezogen, unter anderem der Einkauf.

Der Mietvertrag läuft nach zehn Jahren aus

Der Mietvertrag zwischen dem Unternehmen und den Eigentümern des Altwerks lief nach zehn Jahren aus. Für Opel der Zeitpunkt, um sich von den angemieteten Büroflächen zu trennen, die nicht mehr benötigt werden. "Ziel ist die optimierte Nutzung der vorhandenen internen Ressourcen", erklärt ein Unternehmenssprecher. "Interne Ressourcen", das meint hier leer stehende Büroflächen auf dem Werksgelände. Sie sollen besser ausgenutzt werden.

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Diese Strategie hat der Standort Rüsselsheim nicht für sich allein entwickelt. Vielmehr sind Kosteneinsparungen, auch durch eine effektivere Nutzung vorhandener Flächen, Teil des Sanierungsprogramms "Pace", das nun in konkrete Maßnahmen umgesetzt wird. Das bedeutet, dass durch den Umzug der Mitarbeiter aus dem Altwerk in Opel-eigene Immobilien Mietkosten gespart werden sollen. "Pace" beinhalte Kostensenkungen in allen Bereichen, damit Opel in den kommenden Jahren wieder nachhaltig profitabel werde, heißt es dazu aus der Opel-Presseabteilung. Dazu gehöre auch die Belegungsplanung und -optimierung.

PSA-Chef Carlos Tavares hatte bereits bei der Präsentation des Strategiepapiers "Pace" gemeinsam mit Michael Lohscheller deutlich gemacht, dass bei Opel nicht nur Produktion und Märkte einer betriebswirtschaftlichen Überprüfung unterzogen werden sollen. Auch die Strukturen innerhalb der Werke sollen auf den Prüfstand kommen. Tavares bemängelte zu geringe Effizienz und eine unwirtschaftliche Nutzung von Flächen. Opel nutzt in Rüsselsheim bereits seit Langem nur noch Teile des vorhandenen Areals, die Bereiche sitzen verteilt über das riesige Werksgelände.

Ein erster Schritt zu mehr Effizienz ist nun, nicht noch zusätzlich Flächen anzumieten, während die eigenen auf dem Werksgelände teilweise leer stehen. Die Konzentration auf eine geringere Fläche ist dabei kein neuer Prozess. Als in den neunziger Jahren mit der Fertigstellung des "Adam-Opel-Hauses" am Friedrich-Lutzmann-Ring nach der Produktion auch die Verwaltung aus dem ältesten Teil des Fabrikgeländes am Rüsselsheimer Bahnhof auszog, hatte man für das "Altwerk" keine Verwendung mehr.

Versuche, das 65 000 Quadratmeter große Areal zu veräußern, scheiterten zunächst. Zehn Jahre später fand Opel einen Käufer und trennte sich von dem Teil des Werksgeländes, auf dem der erste "Laubfrosch" vom Band gelaufen war und Adam Opel sein Wohnhaus errichtet hatte. Doch um den neuen Eigentümern, der Investorengruppe HKS, angesichts riesiger, leer stehender Flächen auf dem Gelände den Einstieg zu erleichtern, blieb Opel Mieter. Mitarbeiter, etwa des Einkaufs, hatten so bis heute ihren Arbeitsplatz im Altwerk.

Mit Opel verlässt einer der größten Mieter das Altwerk, in dem ansonsten viele kleinere und größere Firmen Büroräume angemietet haben.

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Die Dünkel-Gruppe, die seit Jahresbeginn neue Mehrheitseignerin am Altwerk ist und dort eine "Motorworld" plant, bedauert den Auszug von Opel, gibt sich aber trotzdem weiter zuversichtlich: "Wir sind bereits in engen Gesprächen mit neuen Mietern für die soeben frei gewordenen Flächen", sagt Simone Adamek, Standortleiterin der Motorworld Rüsselsheim-Rhein-Main. Die Belebung des Altwerks solle durch den Mieterwechsel nicht gebremst werden.

Laut Opel gibt es derzeit keine konkreten Pläne, sich aus weiteren Teilen des aktuellen Werksgeländes zurückzuziehen.

Von Heike Bökenkötter