Sorge um Jobs bei Opel in Rüsselsheim: Lange Schlangen vor...

Dunkle Wolken über Opel - doch der Arbeitsmarkt bietet gerade für Ingenieure Alternativen. Archivfoto: dpa

Derzeit baut Opel in Rüsselsheim Stellen nur über Altersteilzeit- und Vorruhestandsprogramme und freiwillige Aufhebungsverträge ab. Doch was, wenn nun doch Hunderte...

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RÜSSELSHEIM. Opel-Beschäftigte sind in Rüsselsheim wie an anderen Standorten krisengeprüft. Doch angesichts immer neuer besorgniserregender Meldungen, wie zuletzt zum möglichen Teilverkauf des Entwicklungszentrums durch PSA, wachsen die Sorgen der Beschäftigten um ihren Arbeitsplatz. Derzeit baut Opel in Rüsselsheim nach eigenen Angaben Stellen nur über Altersteilzeit- und Vorruhestandsprogramme und freiwillige Aufhebungsverträge ab. Bis 2023 soll es keine betriebsbedingten Kündigungen geben. Doch wie würde der Arbeitsmarkt in der Region reagieren, wenn doch Hunderte Opel-Mitarbeiter eine neue Stelle suchen müssten?

„Der Arbeitsmarkt im Rhein-Main-Gebiet und im Kreis Groß-Gerau ist derzeit insbesondere für Ingenieure und Maschinenbauer sehr aufnahmefähig“, sagt dazu Berit Grautmann, Sprecherin der Agentur für Arbeit im Bezirk Bad Homburg. Entsprechend groß seien deren Chancen, nach Opel anderswo einen Job zu finden. „Ingenieure sind nach wie vor sehr gefragt“, erklärt Grautmann. „Wenn Beschäftigte in dieser Branche arbeitslos werden, ist die Verweildauer in der Arbeitslosigkeit meist sehr kurz. Wir sprechen dabei von rund drei Monaten.“ Der Fachkräftemangel sei spürbar, zu wenig Studierende rücken in den Arbeitsmarkt in diesen Branchen nach.

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Hocher Fachkräftebedarf bietet Chancen

Generell sei durch die bereits laufende Sanierung bei Opel regional derzeit kein signifikanter Anstieg der Arbeitslos-Meldungen zu verzeichnen. „Opelaner, die freiwillig Abfindungen in Anspruch nehmen, haben sich nur in geringer Zahl bei der Agentur für Arbeit gemeldet“, sagt Grautmann. Mit früheren Krisen sei die Lage bislang nicht vergleichbar. Szenen wie noch vor zehn Jahren, als sich in den Arbeitsagenturen lange Schlangen bildeten, seien zunächst nicht zu befürchten.

„Der Fachkräftebedarf wird auch über 2023 hinaus bestehen. Selbst wenn es dann zu betriebsbedingten Kündigungen bei Opel kommen sollte, ist kein Worst-Case-Szenario zu erwarten“, sagt die Sprecherin. Wie es um den Arbeitsmarkt stehe, hänge natürlich immer von der wirtschaftlichen Lage ab. Sollte diese so gut bleiben wie jetzt, bleibe auch der Arbeitsmarkt aufnahmefähig.

Insbesondere ältere Kollegen sorgten sich dennoch davor, arbeitslos zu werden und zu bleiben, sollte ihre Stelle bei Opel wegfallen, sagt ein Mitarbeiter, der seinen Namen nicht nennen will. „Mit Mitte 50 stehen die Chancen auf dem Arbeitsmarkt doch nicht mehr so gut.“

Freie Lehrstellen im Kreis Groß-Gerau

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Die früher oft genannte Marke, dass es ab einem Alter von 50 Jahren schwieriger wird, einen neuen Job zu finden, besteht laut Grautmann allerdings speziell in der Branche der Ingenieure und Maschinenbauer heute nicht mehr. „Best Ager werden gebraucht. Die Berufserfahrung wird geschätzt“, sagt die Sprecherin der Arbeitsagentur. Wie sich der Verlust von Arbeitsplätzen in anderen Bereichen auswirken würde, hänge vor allem von der Anzahl der Betroffenen und deren Qualifikation ab. Was also passieren würde, wenn bei einem Verkauf des Entwicklungszentrums zahlreiche Jobs vor Ort wegfallen würden, sei schwer zu sagen.

Wenig Sorgen hat Grautmann beim Blick auf Ausbildungsplätze. Opel hatte angekündigt, die Ausbildung im eigenen Haus stark zurückzufahren. Weniger als halb so viele Lehrlinge wie zuletzt sollen in diesem Jahr etwa am Standort in Rüsselsheim anfangen, bestätigt das Unternehmen. „Im Kreis Groß-Gerau gibt es aber insgesamt viele unbesetzte Lehrstellen“, sagt Grautmann. Es gebe also Möglichkeiten, auch anderswo eine Lehrstelle zu bekommen, die jungen Leute seien dabei längst nicht auf Opel angewiesen.

Von Heike Bökenkötter